Institut für Musikwissenschaft
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Editionsrichtlinien

Akademienprojekt Kritische Ausgabe der Werke von Richard Strauss
Forschungsstelle Richard-Strauss-Gesamtausgabe [Ausgabe]

EDITIONSRICHTLINIEN
zur Ausgabe
Richard Strauss Werke. Kritische Gesamtausgabe [Ausgabe]

Stand: 18.02.2014
(Punkte 5.1, 5.3, 5.29 gemäß Abstimmung der Kommission am 27.02.2014)


Inhalt

1. Vorbemerkung

2. Gliederung der Gesamtausgabe [Ausgabe]

3. Anlage der einzelnen Bände
  3.1. Anlage der Notenbände
  3.2. Anlage der Dokumentensammlungen

4. Zur Gestaltung des Notentextes
  4.1. Volledition
  4.2. Quellenedition
  4.3. Allgemeine Bemerkungen zu Standardisierungen, Ergänzungen und Korrekturen; Fußnoten

5. Typographische Gestaltung des Notentextes
  5.1. Anordnung und Wiedergabe der Partitur
  5.2. Instrumentenbezeichnungen
  5.3. Schlüssel, transponierende Instrumente
  5.4. Taktzählung, Orientierungsbuchstaben, Studierziffern
  5.5. Taktstriche
  5.6. Wechsel von Taktart oder Tonart
  5.7. Schlaginstrumente unbestimmter Tonhöhe
  5.8. Metronomangaben
  5.9. Tempobezeichnungen, generelle musikalische Anweisungen
  5.10. Notenhälse und mehrstimmige Notation
  5.11. Bögen
  5.12. Artikulationszeichen
  5.13. Balken
  5.14. Proportionsziffern bei Triolen, Mehrfachziffern
  5.15. Akzidentien
  5.16. Dynamik
  5.17. Spielanweisungen
  5.18. Triller
  5.19. Oktavierungen
  5.20. Flageolett
  5.21. Glissando
  5.22. Saitenangaben und Fingersätze
  5.23. Arpeggio-Zeichen
  5.24. Fortsetzungsstriche/Geltungsstriche
  5.25. Pedalzeichen
  5.26. Literarische Motti in sinfonischen Dichtungen, programmatische/sujetbezogene Eintragungen
  5.27. Wiedergabe des Worttextes bei Vokalwerken
  5.28. Regieanweisungen
  5.29. Orthographie und Interpunktion

6. Zur Gestaltung des Kritischen Berichts
  6.1. Vorbemerkung
  6.2. Zur Editionspraxis in diesem Band [Editionsweise und Gestaltung des Notentextes]
  6.3. Zur Gestaltung des Kritischen Berichts
  6.4. Die Quellen
  6.5. Quellenbewertung
  6.6. Allgemeines zu Gestaltung und Formulierung der Listen
  6.7. Korrekturverzeichnis
  6.8. Lesartenverzeichnis
  6.9. Textkritische Anmerkungen [Editorische Eingriffe]

7. Textvergleich

1. Vorbemerkung

Die Ausgabe Richard Strauss Werke. Kritische Gesamtausgabe [Ausgabe] (RSW) stellt die erste kritische Edition des musikalischen Œuvres von Richard Strauss dar. Sie versteht sich als Edition der musikalischen Werke des Komponisten mit dem Ziel, eine Ausgabe der wichtigsten Gattungen und Werkgruppen einschließlich unterschiedlicher Fassungen und Fragmente vorzulegen, verbunden mit einer Dokumentation der wichtigsten Quellen sowie der jeweiligen Werkgenese. Die Ausgabe orientiert sich am heutigen Stand musikwissenschaftlicher Editionsverfahren. Sie umfasst einerseits gedruckte Notenbände mit eingebundenen Kritischen Berichten, andererseits Dokumentensammlungen, die nicht in gedruckter Form erscheinen, sondern im Internet zur Verfügung gestellt werden.

2. Gliederung der Gesamtausgabe [Ausgabe]

Die Ausgabe konzentriert sich auf den Kernbestand des Schaffens von Richard Strauss und berücksichtigt die Bühnenwerke, Orchesterwerke, Lieder sowie die Kammermusik. Derzeit nicht vorgesehen ist eine Edition der Chor- und vokalen Ensemblemusik, der Klaviermusik, der beiden Melodramen, der überlieferten Entwürfe zu nicht realisierten Werken, des Gesamtbestandes der Skizzen und Particelle (die Einbeziehung relevanter Einzelskizzen oder Particelle ist ggf. möglich) sowie der Auszüge aus Bühnenwerken, der Musik zum Rosenkavalier-Film, der Bearbeitungen fremder Werke und schließlich der Einrichtungen von kleinen Einlagen zu Opern und Bühnenmusiken. Hieraus ergibt sich folgende Serien- und Bandgliederung:

Serie I: Bühnenwerke

  • Band 1a: Guntram op. 25 (1. Fassung)
  • Band 1b: Guntram op. 25 (2. Fassung)
  • Band 2: Feuersnot op. 50
  • Band 3a: Salome op. 54 (deutsche Fassung)
  • Band 3b: Salome op. 54 (französische Fassung)
  • Band 4: Elektra op. 58
  • Band 5: Der Rosenkavalier op. 59 (2 Teilbände)
  • Band 6a: Ariadne auf Naxos op. 60, 1. Fassung
  • Band 6b: Ariadne auf Naxos op. 60, 2. Fassung
  • Band 7: Josephs Legende op. 63
  • Band 8: Die Frau ohne Schatten op. 65 (3 Teilbände)
  • Band 9: Schlagobers op. 70
  • Band 10: Intermezzo op. 72 (2 Teilbände)
  • Band 11: Die ägyptische Helena op. 75 (2 Teilbände)
  • Band 12: Arabella op. 79 (2 Teilbände)
  • Band 13: Die schweigsame Frau op. 80 (3 Teilbände)
  • Band 14: Friedenstag op. 81
  • Band 15: Daphne op. 82
  • Band 16: Die Liebe der Danae op. 83 (2 Teilbände)
  • Band 17: Capriccio op. 85
  • Band 18: Schauspielmusik [Der Bürger als Edelmann, Romeo und Julia u.a.]

Serie II: Lieder und Gesänge für eine Singstimme

  • Band 1: Jugendlieder mit Klavierbegleitung
  • Band 2: Lieder mit Klavierbegleitung op. 10 bis op. 29
  • Band 3: Lieder mit Klavierbegleitung op. 31 bis op. 43
  • Band 4: Lieder mit Klavierbegleitung op. 46 bis op. 56
  • Band 5: Lieder mit Klavierbegleitung ab op. 66
  • Band 6: Orchesterlieder und -gesänge bis op. 51
  • Band 7: Drei Hymnen op. 71 und Vier letzte Lieder TrV 196
  • Band 8: Von Strauss orchestrierte Lieder (I)
  • Band 9: Von Strauss orchestrierte Lieder (II)

Serie III: Symphonien und Tondichtungen

  • Band 1: Symphonie d-Moll TrV 94
  • Band 2: Symphonie f-Moll op. 12
  • Band 3: Aus Italien op. 16
  • Band 4: Macbeth op. 23 (2 Fassungen und eigenhändiger Klavierauszug)
  • Band 5: Don Juan op. 20
  • Band 6: Tod und Verklärung op. 24
  • Band 7: Till Eulenspiegels lustige Streiche op. 28
  • Band 8: Also sprach Zarathustra op. 30
  • Band 9: Don Quixote op. 35
  • Band 10: Ein Heldenleben op. 40 (Partitur und eigenhändiger Klavierauszug)
  • Band 11: Symphonia domestica op. 53
  • Band 12: Eine Alpensinfonie op. 64

Serie IV: Kleinere Orchesterwerke und Bläserwerke

  • Band 1: Ouvertüren
  • Band 2: Festmusiken, Fanfaren, Märsche, Walzer u.a.
  • Band 3: Metamorphosen TrV 290
  • Band 4: Serenade und Suite für 13 Blasinstrumente
  • Band 5: Sonatinen für 16 Blasinstrumente

Serie V: Konzertante Werke

  • Band 1: Frühe Instrumentalkonzerte und Konzertstücke
  • Band 2: Parergon zur Symphonia domestica op. 73 und Panathenäenzug op. 74
  • Band 3: Späte Instrumentalkonzerte (für Horn, für Oboe, für Klarinette und Fagott)

Serie VI: Kammermusikalische Werke

  • Band 1: Streicherkammermusik (2 Quartettsätze, Quartett op. 2, 2 Variationenwerke, 1. Fassung des Sextetts aus Capriccio)
  • Band 2: Werke für Klavierquartett (Concertante, Ständchen, Festmarsch, Quartett op. 13, Zwei Stücke)
  • Band 3: Kammermusik für drei Instrumente (2 Klaviertrios, Fantasie, Tänze aus Capriccio)
  • Band 4: Werke für ein Streichinstrument und Klavier (Violoncellosonate op. 6, Violinsonate op. 18, Fuge und Allegretto f. Violine und Klavier)
  • Band 5: Werke für ein Blasinstrument und Klavier (2 Variationenwerke für Flöte bzw. Horn und Klavier, Andante für Horn und Klavier, Hornkonzert op. 11 mit Klavierbegleitung)

3. Anlage der einzelnen Bände

3.1. Anlage der Notenbände

Jeder Band wird nach der Titelei eröffnet mit dem Standardvorwort zur Gesamtausgabe [Ausgabe] in deutscher und englischer Sprache, in welchem u.a. allgemeine Grundsätze der Edition sowie die Seriengliederung genannt sind. Darauf folgen das Inhaltsverzeichnis in deutsch und englisch sowie die in der Regel vom Bandherausgeber verfasste Einleitung, welche die Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte des jeweiligen Werkes umreißt, exemplarische Faksimile-Seiten aus Quellen, der neu edierte Notentext sowie der Kritische Bericht. Ergänzend kann ein Notenanhang hinzutreten, der alternative (Teil-)Fassungen, größere Varianten oder anderes enthält.

Im Rahmen der Einleitung verwendete Quellenzitate (aus Briefen, Rezensionen u.ä.) werden diplomatisch übertragen. Literaturangaben sind gemäß den Richtlinien der Zeitschrift Die Musikforschung gestaltet. Bibliotheksangaben orientieren sich an den RISM-Sigeln.

3.2. Anlage der Dokumentensammlungen

Die Dokumentensammlungen sind auf xml-Basis erstellte, im Internet präsentierte und damit in Anpassung an neueste Forschungsergebnisse stets erweiterbare und zugleich langzeitarchivierte Materialsammlungen. Ihre Anlage ist nur in grundsätzlichen Belangen, wie etwa der Darstellung von originalen Textdokumenten oder der Zitierform, standardisiert und soll in erster Linie der Spezifik des jeweiligen Werkes Rechnung tragen. Bestandteile dieser Materialsammlung sind beispielsweise: Briefe zur Werkentstehung oder zu wichtigen Stationen der Werkrezeption, Werk- und Konzertrezensionen, Aufführungsnachweise, Bühnenbilder, Szenen- und Kostümentwürfe, Karikaturen. Im Falle von Ariadne auf Naxos (1. Fassung), Der Rosenkavalier, Intermezzo und Die Frau ohne Schatten zählen hierzu auch die von Strauss autorisierten oder gar als bindend betrachteten umfangreichen Regieskizzen von Alfred Roller, Max Reinhardt und Alois Mora mitsamt den zugehörigen Kostümentwürfen, für die Ballette darüber hinaus Materialien zur Choreographie. Eine kritische Edition der von Strauss verfassten Libretti sowie Abbildungen der autographen Eintragungen von Strauss in seine Handexemplare der Libretti soll hier ebenfalls ihren Platz finden.

4. Zur Gestaltung des Notentextes

Für die Edition von Notentexten sind zwei voneinander zu unterscheidende Editionsformen vorgesehen:

4.1. Volledition

Diese für die zu Lebzeiten des Komponisten im Druck erschienenen Werke von Richard Strauss als Normalfall anzusehende Editionsform legt nach Sichtung und Bewertung aller maßgeblichen Quellen eine Leitquelle und ggf. zusätzlich eine oder mehrere Referenzquellen fest. Der Notentext der Leitquelle gibt den Inhalt der Edition maßgeblich vor, ist jedoch anhand von Lesarten anderer Quellen zu überprüfen, abhängig vom Ergebnis der jeweiligen Quellenbewertung. Die äußere Form des Notentextes orientiert sich an den unter 5. dargelegten Richtlinien.

4.2. Quellenedition

Diese Editionsform Quellenedition wird zur Wiedergabe nachgeordneter Werkfassungen sowie von Manuskriptquellen wie etwa Skizzen und anderen Werkstattmaterialien angewendet. Die Wiedergabe des Notentextes erfolgt hier so weit wie möglich vorlagennahe. Korrigiert werden lediglich offenkundig falsche Tonhöhen und Tondauern; auf das Ergänzen oder Vereinheitlichen von dynamischen, artikulatorischen oder sonstigen Angaben wird verzichtet.

4.3. Allgemeine Bemerkungen zu Standardisierungen, Ergänzungen und Korrekturen; Fußnoten

Standardisierungen von musikalischen Inhalten, Ergänzungen und Korrekturen des Notentextes sind nur in begründeten Fällen und äußerst behutsam vorzunehmen. In der Regel erfolgen sie mit Quellenstützung und Erwähnung im Kritischen Bericht. Eingriffe ohne Quellenstützung können auch nur in eckigen Klammern kenntlich gemacht werden. Angleichende Analogiebildungen sind gründlich zu prüfen und im Zweifelsfall zu vermeiden. Bei strittigen, unklaren oder anderweitig bemerkenswerten Eingriffen oder Befunden kann eine Fußnote im Notentext in Gestalt eines hochgestellten Sterns mit runder Klammer *) bzw. bei mehreren Anmerkungen auf derselben Seite als **) etc. gesetzt werden, deren am unteren Rand der betreffenden Seite platzierter Inhalt entweder auf den Sachverhalt selbst oder die Erklärung im Rahmen des Kritischen Berichts hinweist.

5. Typographische Gestaltung des Notentextes

5.1. Anordnung und Wiedergabe der Partitur

Die Anordnung der Instrumente folgt grundsätzlich der Leitquelle. Die Instrumente und deren Stimmung werden, ebenso wie die Generalvorzeichnung, beibehalten. Beim Wechsel von großer zu kleiner Flöte wird die kleine Flöte ab der Folge-Akkolade über den großen Flöten geführt.

Generell wird ein kompaktes Notenbild angestrebt, um den Umfang des Erstdrucks nicht wesentlich zu überschreiten. In der Regel entfallen Leersysteme, und es können (besonders bei Platzmangel) gleiche Instrumente in Unisono- oder Parallelgängen sowohl System wie Halsung betreffend zusammen gezogen werden, sofern keine durch andere authentische Quellen gestützte musikalische Bedeutung erkennbar ist.

5.2. Instrumentenbezeichnungen

Der Stimmenvorsatz wird modernisiert. Auf der ersten Notenseite erscheint er ausnotiert, danach in gerader Type mit Kürzungspunkt abgekürzt (siehe die Liste unten). Bei transponierenden Instrumenten ist die Stimmung auf der ersten Seite hinter, auf Folgeseiten mit abgekürztem Vorsatz neben der Instrumentenbezeichnung und hier in runde Klammern zu setzen. Bläser unterschiedlicher Stimmung sind immer in getrennten Systemen zu führen. Wenn in einer Akkolade Blasinstrumente gleichen Typs ganz pausieren oder bei mehreren auf einem System zusammengefassten Blasinstrumenten einzelne davon pausieren, so werden die pausierenden Parte nicht mehr an der Leiste angezeigt; diesbezügliche Ganztaktpausen in den Systemen entfallen.

Bei in verschiedenen Systemen geführten Instrumenten derselben Art (z. B.: Ob. 1, 2) wird die Instrumentenbezeichnung nur einmal zwischen beide Systeme platziert. Die Zählung der Instrumente und Vokalstimmen erfolgt bei Bläsern, Solo-Streichern, Harfen und Vokalstimmen mit arabischen Ziffern (z. B.: Hr. 1, 2), bei Tutti-Streichern mit römischen Ziffern (z. B.: Vl. I, II, Br. I, II). Pultteilung bei Streichern wird mit arabischen Ziffern angezeigt (z. B. Vl. I, Pult 2). Die Ordnungszahlen stehen grundsätzlich nach der Nennung der Instrumentenbezeichnung. Bei Aufzählung mit mehr als zwei Instrumenten sind die Angaben übereinander zu setzen, ab vier Instrumenten jedoch nebeneinander (z. B. Pos. 1–4). Unisono-Führungen etwa von Streichern oder Harfe werden mit Schrägstrich wiedergegeben (z. B.: Vl. I/II, Hfe. I/II).

Bei Wechselinstrumenten erfolgt die Angabe des Wechsels hinter der letzten Note (Holzbläser: „nimmt kl. Fl.“, Tasteninstrumente: „wechselt zu Cel.“).

Rollenbezeichnungen in Opern erscheinen in Versalien und sind nach ihrer ersten Nennung ebenfalls abzukürzen. Die erste Nennung wird, wenn sie inmitten des Systems stattfindet, am Beginn der Akkolade und nicht erst beim Einsatz der Stimme platziert.

Der Stimmenvorsatz bei Klavierliedern lautet „Singstimme“ und „Klavier“ und wird nur vor der ersten Akkolade gesetzt.

Instrument, Vorsatz
1. Seite
AbkürzungBemerkungen
kleine Flöte(n) kl. Fl.
große Flöte(n) gr. Fl.
Flöte Fl. wenn nicht zusätzlich kl. Fl. besetzt ist
Oboe(n) Ob.
Oboe d’amore Ob. d’am. ohne Angabe der Transposition
Englisch Horn E. H. ohne Angabe der Transposition
Heckelphon Hph.
Klarinette(n) in B Kl. (B) auch: Kl. (Es), Kl. (A) etc.
Bassetthorn, Bassetthörner in F BtHr. (F)
Bassklarinette in B Bkl. (B) auch in A
Kontrabassklarinette in Es KbKl. (Es) auch in F oder B
Sopransaxophon in C SSax. (C) Abkürzung alternativ so: Sopr. (C)
Altsaxophon in F ASax. (F) Abkürzung alternativ so: Alt (F)
Baritonsaxophon in F BarSax. (F) Abkürzung alternativ so: Bar. (F)
Basssaxophon in C Bsax. (C) Abkürzung alternativ so: Bass (C)
Fagott(e) Fg.
Kontrafagott Kfg.
Horn, Hörner in F Hr. (F)
Horntube(n) in B HrTb. (B) sogenannte Wagnertuben, von Strauss als „Tenortuben“ oder „Tuben“ bezeichnet
Horntube(n) in F HrTb. (F) sogenannte Wagnertuben, bei Strauss: „Tuben“, „Tenortuben“ (!), „Baßtuben“
Trompete(n) in D Trp. (D) auch C, F etc.
Signaltrompete SignTrp. in Friedenstag
Basstrompete in D Btrp. (D) auch in B etc.
Posaune(n) Pos.
Bassposaune Bpos.
Kontrabassposaune KbPos.
Tuba, Tuben Ttb. (B)
Basstuba/-tuben Btb.
Kontrabasstuba KbTb.
Pauken (A/d/f) etc. Pk. Oktavlage ist zu berücksichtigen
kleine Trommel kl. Tr.
große Trommel gr. Tr.
große Rührtrommel gr. Rtr.
kleine Militärtrommel kl. Mtr.
Becken Bck.
Triangel Trgl.
Kastagnetten Kast.
Tamburin Tamb.
Rute, Sandbüchse Rute, Sandb.
große Ratsche gr. Ratsche
Schellen Schell.
kleine Cymbeln kl. Cymb.
chinesische Gongs ch. Gongs
Glockenspiel Glsp.
Xylophon Xyl.
Holz- und Strohinstrument Xyl. nur in Salome, meint Xylophon
Glocke Gl.
Tamtam Tt.
Windmaschine Windm.
Celesta Cel. Ggf. Spezifizierung in Besetzungsliste und entsprechende Erläuterung im Kritischen Bericht: Instrument der Fa. Schiedmayer (in Ariadne) u.ä.
Harfe Hfe. Ggf. Spezifizierung in Besetzungsliste und entsprechende Erläuterung im Kritischen Bericht: „amerikanische“ Harfen (in Ariadne)
Klavier Klav.
Cembalo Cemb.
Orgel Org.
Harmonium Harm.
Glasharmonika Glash.
Solovioline Solo-Vl.
Violine(n) I Vl. I
Violine(n) II Vl. II
Solobratsche Solo-Br.
Bratsche(n) Br.
Solovioloncello Solo-Vc.
Violoncelli Vc. nicht: „Violoncelle“
Kontrabässe Kb.

5.3. Schlüssel, transponierende Instrumente

Die Schlüsselung folgt grundsätzlich der Leitquelle. Abweichend von diesem Grundsatz werden die C-Schlüssel in Vokalstimmen heutigen Notationsgepflogenheiten entsprechend durch (oktavierte) Violinschlüssel ersetzt. Die originale Schlüsselung wird im Kritischen Bericht dokumentiert. Die Schlüsselung von Instrumenten kann dann heutigen Notations-gepflogenheiten angepasst werden, wenn nach Vergleich mit anderen authentischen Quellen ausgeschlossen werden kann, dass Strauss mit seiner spezifischen Notationsweise musikalisch bedeutsame Informationen (z. B. einen charakteristischen Registerwechsel) anzeigen wollte. Abweichungen von der Leitquelle sind im Kritischen Bericht zu dokumentieren.

Die Stimmung des jeweiligen Instruments wird im Instrumentenvorsatz in runden Klammern angegeben, z. B. „Trp. (D)“. Bei den Pauken werden die Stimmtöne in aufsteigender Folge und mit Angabe der Oktave durch Groß-/Kleinschreibung notiert. Bei Änderung der Stimmung innerhalb eines Stückes über einen Zeilenwechsel hinweg wird die neue Stimmung zu Beginn des neuen Systems als alleinige Stimmung und beim nachfolgenden Einsatz über der jeweiligen Stimme genannt (z. B.: in C). Erfolgt der Wechsel der Stimmung innerhalb eines Systems, so wird er erst unmittelbar vor der ersten in ihm notierten Note in gerader Type angegeben. In derselben Weise ist mit Schlüsselwechseln umzugehen. Diese werden zudem bei Schlüsselwechsel innerhalb des Systems in kleinerer Type gesetzt.

5.4. Taktzählung, Orientierungsbuchstaben, Studierziffern

Taktzahlen erscheinen über dem obersten System einer Akkolade am Beginn der Zeile in kursiver Form.

Die Zählung von Prima-/Seconda-Volta-Takten erfolgt mit dem Zusatz 1. bzw. 2.

Bei einer aus Gründen des Umbruchs erforderlichen Teilung innerhalb eines Taktes erscheint die Taktzahl der zweiten Takthälfte in runden Klammern.

Orientierungsbuchstaben und Studierziffern werden gemäß der Leitquelle gesetzt und in Kästchen wiedergegeben. Beim Fehlen einzelner Buchstaben werden diese aus anderen Quellen oder sinngemäß ergänzt. Positioniert werden sie immer doppelt, einmal über dem obersten Partitursystem, einmal über der 1. Violine oder, falls diese an der betreffenden Stelle nicht vorhanden ist, über der nächstfolgenden Streicherpartie. Falls keine Streichergruppe existiert, stehen die Ziffern nur einmal.

5.5. Taktstriche

Taktstriche werden nicht durch alle Systeme gezogen, sondern nur durch diejenigen der jeweiligen Stimmgruppen: Holzbläser, Blechbläser, Schlagwerk, Singstimmen (jeweils einzeln pro System), Streicher. Vor Wechsel der Generalvorzeichnung innerhalb eines Werkabschnitts werden Doppelstriche gesetzt.

5.6. Wechsel von Taktart oder Tonart

Tonart- und Taktwechsel im Verlauf des Stückes, die mit einem Umbruch zusammenfallen, sind am Ende der vorangehenden Akkolade oder Seite anzukündigen. Bei Taktwechsel stehen einfache Taktstriche. Binnengliederungen von Takten (z. B. 5/4 als 3+2 oder 2+3) werden mit gestricheltem Taktstrich für jedes System separat angezeigt. Die daraus resultierenden Taktteile werden gemäß den Pausen der Taktart und nicht dem Standard entsprechend mit ganzen Pausen gefüllt.

5.7. Schlaginstrumente unbestimmter Tonhöhe

Schlaginstrumente unbestimmter Tonhöhe werden auf einer einzelnen Linie notiert. Die zugehörigen Taktstriche werden dabei über die Linie hinaus verlängert. Ggf. können mehrere Instrumente zusammengefasst und mit durchgezogenem Taktstrich versehen werden.

5.8. Metronomangaben

Metronomangaben werden, wenn sie alleine stehen, ohne Klammern gesetzt. Treffen sie mit einer Tempobezeichnung zusammen, so erscheinen sie in runden Klammern. Der Zusatz „M“, „M.M.“ o. ä. entfällt.

5.9. Tempobezeichnungen, generelle musikalische Anweisungen

Tempobezeichnungen und andere generelle musikalische Anweisungen werden in Orchesterpartituren stets zweimal, und zwar einmal über dem obersten System und einmal über dem System von Vl. I halbfett gesetzt oder, falls diese an der betreffenden Stelle nicht vorhanden ist, über der nächstfolgenden Streicherpartie. Bei Klavierliedern erscheinen sie in der Regel nur einmal über der Singstimme.

Alle ausgeschriebenen Tempoangaben werden ohne Schlusspunkt wiedergegeben.

5.10. Notenhälse und mehrstimmige Notation

Eine Kennzeichnung der einzelnen Stimmen erfolgt nur bei Abweichung vom Instrumentenvorsatz, also etwa wenn statt der zwei angegebenen nur eine der beiden Stimmen spielt oder bei Stimmkreuzung. Dies wird mit 1. bzw. 2. usw. gekennzeichnet. Derartige Bezeichnungen sind ggf. bei der ersten Note nach Akkoladen- oder Seitenwechsel zu wiederholen. Die anschließende Zusammenführung der Instrumente wird durch Doppelhalsung oder mit gerade gesetztem a2, a3 etc., bzw. bei Streichern mit „alle“ angezeigt.

Bei Einfachhalsung wird die Dynamik einfach gesetzt (unten), die Artikulation erfolgt ebenfalls einfach. Nicht im Stimmenvorsatz vorhandene temporäre Versetzungszeichen werden bei Stimmkreuzung nicht – wie etwa im Klaviersatz – einfach gesetzt, sondern für jede Stimme einmal pro Takt.

Bei Doppelhalsung werden Dynamik sowie sfz-Zeichen (bzw. sfp, sf etc.) nur einmal (unten) notiert, wenn sie für beide Instrumente gleichermaßen gelten. Sind sie nur für das obere Instrument gemeint, werden sie nur dort gesetzt. Sollen sie nur für das untere Instrument gelten, werden sie nur unten gesetzt mit dem Zusatz: „2.“ Akzente werden doppelt gesetzt, und dies auch bei Ganzen Noten. Angedeutete Stimmigkeit im Klaviersatz bleibt erhalten, jedoch werden in der Regel keine Pausen für die einzelnen Stimmen ergänzt, um eine echte Stimmigkeit herzustellen.

5.11. Bögen

Intervalle und Akkorde mit nur einem Notenhals erhalten nur einen Legato-Bogen, hingegen zwei (bzw. drei etc.) Ligaturbögen [Haltebögen]. Bei entgegengesetzter Halsung wird für jede Stimme ein eigener Legato-Bogen gesetzt. Sind Legato-Bögen mit Artikulationszeichen kombiniert, so stehen die Bögen (mit Ausnahme eines Akzents am Bogenbeginn oder -ende) immer in der vom Notenkopf entfernteren Position zum Artikulationszeichen.

5.12. Artikulationszeichen

Artikulationszeichen stehen bei einfacher Halsung immer beim Notenkopf, bei doppelter Halsung zweimal, einmal ober-, einmal unterhalb der Notenköpfe. Dies gilt auch für Staccato-Punkte. Bei Vokalstimmen hingegen stehen die Artikulationszeichen immer über der Note.

5.13. Balken

Die Balkung wird modernisiert, sofern nicht musikalische Gründe dagegensprechen.

Uneinheitliche Balkung wird vereinheitlicht, wenn auch nach Vergleich mit anderen authentischen Quellen keine musikalische Absicht (z. B. hinsichtlich von metrischer oder agogischer Gestaltung) erkennbar ist. Knickbalken (vorzugsweise bei Tasteninstrumenten und Harfe) werden beibehalten.

5.14. Proportionsziffern bei Triolen, Mehrfachziffern

Mehrfachziffern entfallen in der Regel, wenn die Unterteilung anhand der Balkung ersichtlich wird und unmissverständlich ist. Eckige Mehrfachklammern werden in Kombinationen mit Pausen gesetzt oder bei optisch schwer zu erfassender Zuordnung (wenn etwa die Gruppierung nicht durch Balken erfolgt). Bei Abkürzungen (sog. Faulenzern) werden Mehrfachziffern dagegen immer gesetzt. Bei längeren Triolen-Passagen wird in der Regel nur der erste Takt vollständig bezeichnet, dazu im zweiten Takt die erste Triolengruppe. Großflächige identische Wechsel zwischen duolischem und triolischem Rhythmus können, wenn es sich anbietet und die Bedeutung unmissverständlich ist, ebenfalls verkürzt notiert werden. Bei Vokalstimmen werden die Ziffern immer über dem System positioniert.

5.15. Akzidentien

Versetzungszeichen gelten jeweils nur für einen Takt, eine Stimme und die jeweilige Oktavlage. Werden zwei Stimmen auf einem System notiert, wird ein Akzidens auch inner-halb eines Taktes wiederholt, wenn es erst die eine, dann die andere Stimme betrifft, unabhängig davon, ob es sich um Einzel- oder Doppelhalsung handelt. Analog wird im Klaviersatz bei eigenständiger Stimmführung verfahren.

Die Akzidentiensetzung wird gegenüber der Hauptquelle stillschweigend gemäß heutigem Gebrauch vereinfacht (z. B. ein einfaches b ohne Auflösungszeichen setzt ein vorangehendes Doppel-b außer Kraft). Eindeutig redundante Warnakzidenzien der Hauptquelle können weggelassen werden, wobei jedoch auf harmonische Zusammenhänge zu achten ist. Die Entfernung von Akzidentien wird im Kritischen Bericht dokumentiert.

Neue Warnakzidentien sollten nur in Ausnahmefällen zur Vermeidung von Missverständnissen ergänzt und, je nach Sachlage, also etwa bei Ergänzung ohne Quellenstützung, durch eckige Klammern kenntlich gemacht werden. Eine Erwähnung im Kritischen Bericht erfolgt nur bei Erklärungsbedarf oder falls ein komplexes Notenbild nicht zusätzlich durch Klammerung belastet werden soll. Erscheint ein Warnakzidens in einer einzelnen Stimme, so ist dieses bei Unisonoführung auch in den anderen Stimmen zu setzen. Dies erfolgt ohne Klammerung mit Eintrag in den Kritischen Bericht.

Bei Überbindung zwischen zwei Takten wird das Vorzeichen zu Beginn des zweiten Taktes getilgt und ggf. bei Wiederkehr dieser Note im Takt dorthin verschoben. Beides geschieht stillschweigend, aber mit Hinweis im Passus „Zur Gestaltung des Notentextes“. Bei Überbindungen von mit Akzidentien versehenen Noten zur nächsten Akkolade oder zur nächsten Seite wird das Akzidens vor der ersten Note der neuen Akkolade in runder Klammerung wiederholt und auch hierbei ggf. zur im Takt wiederholten Note hin verschoben. Begegnet der alterierte Ton im Takt der neuen Seite oder Akkolade nochmals, so erhält er ein eigenes Vorzeichen.

Uneinheitliche Versetzungszeichen vor Oktavtönen werden angeglichen und dabei ggf. ergänzt.

5.16. Dynamik

Dynamische Bezeichnungen stehen bei Tasteninstrumenten und Harfe zwischen den Systemen, bei den übrigen Instrumenten in der Regel unterhalb der Systeme, bei Vokalstimmen oberhalb.

Ist eine dynamische Angabe für zwei Stimmen innerhalb eines Systems gültig, so erscheint sie nur einmal unten, und dies sowohl bei Einfach- als auch bei Doppelhalsung. Ist sie nur für die 1. Stimme gültig, so wird sie oben platziert. Wenn sie nur für die 2. Stimme gültig ist, erscheint sie nur unten mit dem Zusatz „2.“. Dies gilt auch für Akzente bzw. sfz/sf.

f, p etc. sind unter die betreffende Note zu setzen, können jedoch – in erster Linie aus Platzgründen – in unmissverständlichen Fällen auch vorgezogen werden.

Alle dynamischen Angaben werden kursiv gesetzt (neben p und f also auch cresc., dim.).

Die bisweilen verwendete Form di-mi-nu-en-do wird vereinheitlicht zu dim. - - -; dies wird im Passus „Zur Editionspraxis in diesem Band“ [„Editionsweise und Gestaltung des Notentextes“] genannt.

Crescendo-/Decrescendo-Gabeln sind in den Quellen sehr häufig ungenau positioniert, sowohl in den Handschriften als auch in den Druckquellen. Dies ist nur in Ausnahmefällen zu übernehmen. Entscheidend ist vielmehr die mutmaßliche Strauss’sche Intention, die sich am ehesten aus den Autographen unter Berücksichtigung der Strauss’schen Schreibeigenheiten ableiten lässt. Stark ausdifferenzierte Stellen erfordern besondere editorische Aufmerksamkeit, wobei jedoch nach den bisherigen Erfahrungen insgesamt wohl meist ein vergleichsweise einheitliches, wenig kompliziertes Erscheinungsbild intendiert ist, insbesondere bei parallel spielenden Instrumenten. Hieraus ergeben sich folgende Gabelpositionen:

  • Bei Kombination mit weiteren dynamischen Angaben (p, f, sfz, ggf. Akzent etc.) wird die Position von Crescendo- und Decrescendo-Gabeln von diesen Angaben eingegrenzt.
  • Bei freistehenden Gabeln beginnt die Gabel am linken Notenrand, sofern ihr Beginn nicht eindeutig mit musikalischen Sachverhalten in anderen Stimmen korreliert. Das Gabelende zielt ebenfalls auf den linken Rand des Notenkopfes, auch im Falle eines Taktübergangs. Allerdings ist beim Gabelende anhand der Quelle zu entscheiden, ob der Zielton der Gabel selbst noch Bestandteil des Crescendos oder Decrescendos und somit über den Notenkopf hinaus zu verlängern ist.
  • Liegt im Orchestersatz eine blockhaft gleiche Dynamik vor, müssen die Gabeln gleichlang gesetzt werden, ihr Ende erscheint also nicht im Flattersatz.
  • Ist das Ziel eines Crescendos ein sfz-Einsatz in anderen Stimmen, so endet die Crescendo-Gabel auch in jenen Stimmen, die das sfz (oder eine vergleichbare Angabe) nicht aufweisen, vor dem Taktstrich, falls keine andere musikalische oder editorische Entscheidung dagegen spricht.
  • Bei Gabelpaaren, die längere Noten umfassen, endet die Crescendo-Gabel mit einer Freistelle vor dem linken Notenrand, der Beginn der Decrescendo-Gabel erfolgt am rechten Notenrand. Bei Taktübergängen endet die Crescendo-Gabel vor dem Taktstrich, Beginn der Decrescendo-Gabel ist am rechten Notenrand der ersten Zählzeit.
  • Schweller rahmen die betreffende Note ein, lassen diese jedoch mit einem kleinen Abstand rechts und links frei.

5.17. Spielanweisungen

Spielanweisungen wie „stacc.“, „geteilt“ (in Abkürzung: „get.“), „herunterschleifen“, „mit Dämpfer“ usw. werden nicht kursiv, sondern gerade und beim ersten Auftreten ohne runde Klammern gesetzt; sie stehen immer über dem System. Notwendige Erinnerungen erscheinen in Klammern. Ein zuvor gesetztes „geteilt“ oder eine Trennung „solo“/„die übrigen“ wird, sofern es nicht in anderer Weise geschieht, mit „alle“ aufgehoben.

Die Angaben „mit Dämpfer“ bzw. „ohne Dämpfer“ werden gerade und ohne Schlusspunkt wiedergegeben. Ihre Abkürzung lautet „m. Dpf.“ bzw. „o. Dpf.“. Die häufig wechselnd verwendeten Angaben „mit Dämpfer“ und „mit Dämpfern“ werden zu „mit Dämpfer“ vereinheitlicht. Im Stimmenvorsatz genannte Dämpfer-Anweisungen werden dort getilgt und in den Notentext übernommen. Neue Anweisungen, z. B. „ohne Dämpfer“ oder „mit Dämpfer“, erscheinen nur am Beginn der neuen, ohne Dämpfer zu spielenden Passage. Ein zusätzliches oder alleiniges „Dämpfer weg“ am Ende der mit Dämpfer zu spielenden Passage wird getilgt.

Angaben, die sich über mehrere Seiten erstrecken, jedoch in den Quellen nicht am Beginn jeder Seite neu notiert sind, können, sofern für das Verständnis notwendig, am Beginn der neuen Seite bzw. bei Pausen am Seitenbeginn beim nächsten Einsatz in runden Klammern wiederholt werden, z. B. (stacc.), (pizz.), (1.), (a2), (m. Dpf.), bei Kombination werden sie in nur einer Klammer wiedergegeben (stacc., pizz.); bei fraglichen Stellen sind eckige Klammern zu setzen. Zusätzliche spieltechnische Angaben erscheinen immer gerade und in Klammern, z. B.: (Doppelgriff).

Bei Dämpferwechsel erscheinen Dämpferangaben ohne Klammern, bei Wiederholung in runden Klammern.

Interpretationsanweisungen hingegen, wie etwa espr. oder dolce, stehen in kursiver Type über dem System (bei Instrumenten mit zwei Systemen wie Celesta, Harfe, Klavier auch zwischen den Systemen). Stehen sie nicht alleine, sondern eindeutig in Kombination mit einer Dynamik, wie etwa im Falle von p espr., so verbleiben sie unter dem System. Anweisungen wie (heulend) oder (hervortretend) erscheinen über dem System mit Klammern und kursiv. Bei Kollision mehrerer Angaben können diese in Ausnahmefällen auch sinnvoll über und unter dem System verteilt werden. Dabei stehen spieltechnische Anweisungen vor Ausdrucksanweisungen, werden also entweder vor diesen oder unter diesen platziert.

5.18. Triller

Die Trillernotation mit oder ohne Wellenlinie folgt im Prinzip der Leitquelle. Die Handhabung wird der Grundtendenz der Leitquelle angeglichen und im Kritischen Bericht kommentiert. Die ein Trillerzeichen verlängernde Wellenlinie ist bis zum Ort des Trillerendes zu führen. Bei Seiten- bzw. Systemwechsel wird die Wellenlinie fortgesetzt, wobei sie oberhalb der 1. Note beginnt mit dem Zusatz (tr), ggf. zusammen mit dem geforderten Versetzungszeichen (tr#).

5.19. Oktavierungen

Oktavierungen werden durch eine einfache kursive Ziffer mit gestrichelter Linie und Schlussklammer angezeigt, z. B.: 8va-----˥. Tiefoktavierungen werden mit 8ba-----˩ gekennzeichnet. Bei Seiten- oder Akkoladenwechsel ist die betreffende Angabe zu Beginn der neuen Seite in runden Klammern zu wiederholen.

5.20. Flageolett

Flageolett-Töne werden mit o über der Note dargestellt, in der Regel ohne den Zusatz „Flag.“ Bei Haltetönen wird das Flageolett-Zeichen nur über der ersten Note bzw. nach Zeilenwechsel (dann in runden Klammern) gesetzt.

5.21. Glissando

Glissando-Striche erscheinen stets mit verbalem Zusatz oder „glissando“, „gliss.“ oder „gl.“, jedoch nicht zwingend mit Strich, wenn dadurch eine genauere Bestimmung des Glissando-Raumes erfolgt.

5.22. Saitenangaben und Fingersätze

Saitenangaben werden als verbale Anweisung wiedergegeben (z. B.: „G-Saite“, in gerader Type); evtl. vorhandene Geltungsstriche werden beibehalten, nicht jedoch ergänzt. Ebenso wie Fingersätze sind sie in der Regel über der Note platziert.

5.23. Arpeggio-Zeichen

Beim Setzen von Arpeggio-Zeichen für Klavier, Harfe, Celesta etc. ist zu unterscheiden, ob diese Spielanweisung über beide Systeme zu führen ist oder für jedes der Systeme separat gilt.

5.24. Fortsetzungsstriche/Geltungsstriche

In den Quellen vorhandene Geltungsstriche etwa bei dim. - - - sollten nicht entfallen. Kommen sie im Zusammenhang unsystematisch vor, dann sind sie sind aufgrund einer editorischen Entscheidung entweder zu tilgen oder entsprechend ohne Klammerung mit Bemerkung im KB zu ergänzen. Bei Seiten- oder Akkoladenwechsel während der Dauer der Geltungsstriche ist die betreffende Angabe zu Beginn der neuen Seite in runden Klammern zu wiederholen.

5.25. Pedalzeichen

Pedalzeichen werden nicht mittig, sondern mit Beginn der betreffenden Note platziert. Pedalaufhebungszeichen (*) stehen am Ende des Geltungsbereichs der betreffenden Note.

5.26. Literarische Motti in sinfonischen Dichtungen, programmatische/sujetbezogene Eintragungen

Derartige verbale Zusätze sind in gerader Type wiederzugeben. Ggf. ist auf den originalen Zeilenfall zu achten und dieser, in inhaltlich begründeten Ausnahmefällen, auch gegen die Leitquelle wieder herzustellen.

5.27. Wiedergabe des Worttextes bei Vokalwerken

Die Textunterlegung erfolgt in gerader Schrifttype. Die Silben sind grundsätzlich zu trennen, sofern es der zur Verfügung stehende Platz unter der Note zulässt. Bei Worten, die über einen Zeilenumbruch hinweg geführt werden, erscheint ein Silbentrennungsstrich sowohl am Ende der alten als auch am Beginn der neuen Zeile. Bei melismatischen Passagen sind ggf. mehrere Trennungsstriche zu setzen. Silbenverlängerungsstriche stehen am Fuß der Zeile und reichen bis zur letzten gemeinten Note. Entgegen der heute üblichen Vorgehensweise werden Satzzeichen vor dem Silbenverlängerungsstrich platziert.

5.28. Regieanweisungen

Regieanweisungen stehen über dem System, in der Regel bei derjenigen Stimme, zu der sie gehören. Sie erscheinen in kursiver Type.

5.29. Orthographie und Interpunktion

Die zur Partitur gehörigen Worttexte (Gesangstexte, Regieanweisungen, programmatische Angaben) werden grundsätzlich gemäß der Orthographie der Leitquelle wiedergegeben. Abweichend von diesem Grundsatz sollen eindeutig veraltete Schreibweisen in Gesangstexten nur dann modernisiert werden, wenn sich dadurch der Lautstand nicht verändert. Bei gravierenden Abweichungen soll auf die originale Schreibung in einer Fußnote hingewiesen werden; in jedem Fall werden originale Schreibweisen im Kritischen Bericht dokumentiert (ggf. durch zusammenfassende Wörterlisten). In Fällen, in denen Strauss ein absichtliches Abweichen von der Orthographie als Stilmittel einsetzt, ist diese orthographische Abweichung beizubehalten. Fehlerhafte fremdsprachige Anweisungen werden gemäß Rechtschreibung und Grammatik der Ursprungssprache korrigiert. Eindeutig fehlende Interpunktion wird behutsam ergänzt.

6. Zur Gestaltung des Kritischen Berichts

Der [über weite Strecken] nur in deutscher Sprache erscheinende Kritische Bericht erteilt Auskunft über die Quellenlage des vorgelegten Bandes, beschreibt die Quellen, listet die kompositorisch relevanten Änderungen und Lesartendifferenzen einzelner Quellen auf und gibt Rechenschaft über die Eingriffe des Herausgebers. Er besteht aus den Abschnitten: „Vorbemerkung“ [ohne Unterüberschrift], „Zur Editionspraxis in diesem Band“ [„Editionsweise und Gestaltung des Notentextes“], „Zur Gestaltung des Kritischen Berichts“ [ohne Unterüberschrift im Rahmen der Vorbemerkung bzw. inhaltsspezifisch den Listen als Präambel vorangestellt], einer Quellenbestandsliste, der Quellenbeschreibung, der Quellenbewertung, einem Lesartenverzeichnis, den Textkritischen Anmerkungen [„Editorische Eingriffe“] sowie ggf. einem Text- und Librettovergleich [in der Regel auf der Online-Plattform publiziert].

Alle Seiten des Kritischen Berichts verfügen der besseren Übersichtlichkeit halber über Kopfzeilen. Deren Inhalt richtet sich nach dem Inhalt am Beginn der linken Seite, also etwa: „Quellenbeschreibung – Quelle C“ oder „Korrekturverzeichnis Quelle A“.

6.1. Vorbemerkung

In der Vorbemerkung werden generelle Bemerkungen zum Kritischen Bericht sowie zu dessen Gliederung vorangestellt und etwaige Besonderheiten benannt.

6.2. Zur Editionspraxis in diesem Band [Editionsweise und Gestaltung des Notentextes]

Im Passus „Zur Editionspraxis in diesem Band“ finden sich z. B. Hinweise auf die Editionsform (Volledition, Quellenedition), Bemerkungen zu stillschweigend vorgenommenen Änderungen aller Art, zum Umgang mit Akzidentien, zur Auflösung von Abbreviaturen, zur Regelung der Orthographie etc.

6.3. Zur Gestaltung des Kritischen Berichts
[ohne Unterüberschrift im Rahmen der Vorbemerkung bzw. inhaltsspezifisch den Listen als Präambel vorangestellt]

Hier ist Raum etwa für Hinweise zur Taktzählung und die im Folgenden verwendeten Abkürzungen wie:

T. Takt bzw. Takte
TH Takthälfte
o. Sys. oberes System
u. Sys. unteres System
Kl. o. [Klav. o.] Klavier, oberes System
Kl. u. [Klav. u.] Klavier, unteres System
o. Hälfte obere Hälfte
u. Hälfte untere Hälfte
l. Hd. linke Hand (als Spielanweisung)
r. Hd. rechte Hand (als Spielanweisung)

[Es wird separat ein Abkürzungsverzeichnis abgedruckt.]

6.4. Die Quellen

Eine Quellenbestandsliste nennt die für das Werk bzw. die Edition zur Verfügung stehenden Quellen samt ihrer Chronologie und ihres Standortes. Sie umfasst auch unzweifelhaft anzunehmende, heute jedoch als verschollen geltende Quellen.

Es werden sprechende Quellensigel vergeben, z. B.:

Sk Skizze. Mögliche Unterscheidungen: Sk1, Sk2 etc.
Pc Particell. Mögliche Unterscheidungen: Pc1, Pc2 etc.
A autographe Partitur. Mögliche Unterscheidungen: A1, A2
K Partiturkopie [ggf. als Index zu A wiedergegeben]
K-St Stimmenkopie
ED [E] Erstdruck der Partitur
EDCK [ECK] Erstdruck der Partitur, Sonderexemplar aus dem Besitz von Clemens Krauss
E-St Erstdruck der Stimmen
ED2 [E2] Erstdruck der Partitur, zweite Auflage
[D] [spätere Druckauflage]
KA Klavierauszug
KArr. Klavierarrangement

Quellen, die als Stichvorlagen dienten, werden mit einem Asterisk versehen. Nicht mehr vorhandene, aber einst existierende Quellen sind in eckige Klammern zu setzen, z. B. [A*]. Quellensigel (nicht jedoch die sie begleitenden Klammerungen) werden grundsätzlich halbfett gedruckt.

Die anschließende Quellenbeschreibung enthält die wesentlichen kodikologischen Angaben zu der jeweiligen Quelle, berücksichtigt dabei jedoch auch Besonderheit und editorische Bedeutung. Die Beschreibung erfolgt so knapp wie möglich und so ausführlich wie nötig. Autographe Quellen werden in der Regel ausführlicher beschrieben als Druckquellen. Eine weitere Abstufung in der Ausführlichkeit der Quellenbeschreibung erfolgt aufgrund der Bedeutung der einzelnen Quelle.

Zur äußeren Beschreibung dienen folgende Anhaltspunkte: eventuelle Box oder Mappe, Außenmaße (Höhe × Breite in cm), Einband (Leder, Leinen, Halbleinen, Buchrücken, Farbe, Aufkleber, Beschriftungen etc.), Format (Hochformat, Querformat), Anzahl der Blätter, ggf. Lagenanordnung, Paginierung, Blattstärke und -farbe, Wasserzeichen, Papierkennung; Titelblatt, Format und Anzahl der Notensysteme (bei Bedarf inklusive Details wie Rastralgröße, Abstand der Notenlinien etc.), Schreibmaterialien, Tintenfarbe, vacat-Seiten, Bindung, Werktitel, Datierungen, Hinweis auf evtl. weitere Schreiber.

An die jeweilige Quellenbeschreibung schließt sich insbesondere im Falle von autographen Quellen ein Korrekturverzeichnis an, das ggf. substantielle Änderungen durch den Komponisten nachweist (zur Gestaltung siehe unten). Kompositorische, editorische oder rezeptionsgeschichtliche Einzeichnungen von Strauss, von Dirigenten oder Musikern in einen Druck oder eine andere Quellenform können listenförmig erfasst werden.

6.5. Quellenbewertung

Die Bewertung der Quellen erfolgt aufgrund des Quellenvergleichs und ist ausführlich zu begründen. Da der von Strauss intendierte Notentext in der Regel nicht in einer einzigen Quelle wiedergegeben ist, sondern mittels Kombination aus meist autographer Quelle und Druckquelle ermittelt werden muss (es sich also um keine Quellenedition handelt, sondern um Quellenmischung), bietet sich anstelle des traditionellen Begriffs der „Hauptquelle“ der etwas offenere Terminus „Leitquelle“ an. Ihm untergeordnet sind die für die Edition weniger relevanten Referenzquellen, die ggf. in primäre und sekundäre Referenzquellen unterschieden werden können, sowie die eher abseits stehenden Randquellen. In der Regel sollte jede angefügte Quelle einer dieser Kategorien zugeordnet werden.

Die Quellenbewertung kann mit einem Stemma veranschaulicht werden.

6.6. Allgemeines zu Gestaltung und Formulierung der Listen

Ausgangspunkt für die Sichtweise auf die übrigen Quellen und die Textkritischen Anmerkungen [Editorische Eingriffe] stellt der edierte Text dar. Die Listeneinträge sollen so knapp und zugleich so verständlich wie möglich gehalten sein. Notenbeispiele sind nur dann zu setzen, wenn sie Deutlichkeit und Knappheit der Darstellung fördern. Gleiche Sachverhalte werden möglichst identisch dargestellt. Die unten aufgeführten Formulierungen, welche die am häufigsten vorkommenden Fälle abdecken, dienen der Standardisierung, Vergleichbarkeit und Verständlichkeit. Wenn es der Verdeutlichung des Sachverhaltes dient, ist in begründeten Fällen eine Abweichung hiervon möglich.

Notenfolgen werden durch waagerechten Strich getrennt, während die Einzeltöne bei Akkorden von unten nach oben unter Verwendung von Schrägstrichen notiert werden. Mehrere Akkorde nacheinander oder Ketten von Einzeltönen bzw. Kombinationen aus Einzeltonketten und Akkorden werden mittels Komma angeführt: efg, e/g/h.
Die Oktavlagen werden mit kleiner Zahl rechts oben (a1, a2, a3, a4, a5), kleiner Zahl unten (A1, A2, A3) bzw. kleinem und großem Buchstaben (a, A) angegeben.

Die Abkürzung der Instrumente entspricht dem Instrumentenvorsatz des Notentextes. Wenn sich jedoch eine Bemerkung auf alle Stimmen einer Instrumentengruppe bezieht, so werden die Einzelinstrumente nicht separat angegeben; es heißt also: „Fl.“ statt „Fl. 1–4“. Ist bei der Angabe „Vl. I (in zwei Hälften)“ eine Differenzierung notwendig, so ist dies in „Vl. I o. Hälfte“ und „Vl. I u. Hälfte“ aufzuspalten. Die Aufzählung von Instrumenten erfolgt mittels Kommata (z. B.: Vl. I, II). Die Verwendung des Schrägstrichs hingegen (z. B.: Vl. I/II) ist Unisono-Führungen vorbehalten.

Zitate aus Notentexten werden kursiv wiedergegeben (z. B.: „Zuerst Allegro, dann Allegro moderato“)
Für Quellensigel, die einen Bindestrich (Viertelgeviertstrich) aufweisen, ist ein geschützter Bindestrich zu verwenden. Zwischen Zahl-/Wortkombinationen wie 2. Note oder 2. TH ist ein geschützter Leerschritt zu setzen, der das Umbrechen an dieser Stelle verhindert.

6.7. Korrekturverzeichnis

Korrekturverzeichnisse werden in der Regel für Autographe erstellt (sind jedoch auch für andere Quellen nicht ausgeschlossen) und finden sich im Rahmen der Quellenbeschreibung. Dokumentiert werden nur substantielle kompositorische Korrekturen, die Strauss bei der endgültigen Niederschrift eines Werkes vorgenommenen hat.

Die Liste ist dreispaltig angelegt. In der 1. Spalte ist der betreffende Takt genannt in Einzelnennung (z. B.: 78), als Aufzählung (bei zwei Takten, z. B.: 78, 79 oder 118, 125, bei drei und mehr Takten z. B.: 118–125) oder taktübergreifend (z. B.: 78–80). In der 2. Spalte ist das betreffende System genannt. Bezieht sich der Eintrag auf alle Instrumente einer Gruppe, z. B. auf Fl. 1–3, dann genügt die Angabe „Fl.“ ohne weitere Spezifizierung. Aufzählungen werden durch Kommata getrennt. Die in der 3. Spalte genannten Korrekturen werden knapp dargestellt. Der Ort im Takt wird nur angegeben, wenn Unklarheiten bestehen. Der informationstragende Hinweis auf das von der Mehrheit der Korrekturen abweichende Schreibmaterial ist möglich. Mehrstufige Korrekturen werden mit „zuerst […], dann […]“ beschrieben.

TaktSystemBefund
22 Vl. I Ohne p (Bleistift).
33 Fg. 3 Zuerst e2, dann gis2.
55 Hph. Legato-Bogen ergänzt.
88 Kl. 1 Rasur, vorherige Version nicht feststellbar.

6.8. Lesartenverzeichnis

Im Lesartenverzeichnis werden vom edierten Text abweichende Lesarten ausgewählter Quellen nur dann vermerkt, wenn sie substantielle kompositorische Abweichungen darstellen. Dem Lesartenverzeichnis geht eine Vorbemerkung voraus, die über Aufnahme- und insbesondere Ausschlusskriterien der Listeneinträge Auskunft gibt. Abweichungen, die erst durch editorische Eingriffe entstanden sind, werden nicht als solche dokumentiert.

Die Liste ist vierspaltig angelegt. Spalte 1 und 2 werden wie im Korrekturverzeichnis gehandhabt.

Die 3. Spalte ist für die die Abweichung betreffende(n) Quelle(n) vorgesehen. Hierbei sind Zusammenfassungen erwünscht, also etwa nur ein Eintrag für A, E-St.

Die in der 4. Spalte genannten Abweichungen werden knapp dargestellt. Der Ort im Takt wird nur angegeben, wenn Unklarheiten bestehen.

Formulierungsbeispiele:

TaktSystemQuelleAbweichung
12 Fl. 2 A Ohne sf.
15 Hr. 5, 6 E-St dim.
18 Hr. 1 A, E-St p statt mp.
19 Btb. A Ohne Geltungsstriche.
20–23 Ob. 2 E-St Crescendo-Gabel erst ab 2. Note.
25 E. H. E-St Crescendo-Gabel bereits ab 1. Note.
26 Pos. 2 A dim. erst ab 2. TH.
29 Fl. A e2
44 Vl. I, II A Ohne Augmentationspunkt.

Bei gleicher Taktangabe entspricht die Reihenfolge der Bemerkungen in der Regel der Patituranordnung. Die Bemerkungen enden mit einem Schlusspunkt, sofern es sich nicht nur um die Nennung eines einzelnen Tones handelt. Bei Abkürzungen wie etwa dim. als letztem Wort wird kein zusätzlicher Schlusspunkt gesetzt.

6.9. Textkritische Anmerkungen [Editorische Eingriffe]

In den Textkritischen Anmerkungen werden die Eingriffe des Herausgebers dokumentiert. Den Textkritischen Anmerkungen geht eine Vorbemerkung voraus, die über Aufnahme- und insbesondere Ausschlusskriterien der Listeneinträge Auskunft gibt.

Die Liste ist dreispaltig angelegt. Auch hier existiert keine eigene Rubrik „Ort im Takt“. Spalte 1 und 2 werden wie im Korrekturverzeichnis gehandhabt. Spalte 3 ist in Wortfolge und Formulierung folgendermaßen aufgebaut:

  1. Nennung des Gegenstands (z. B.: Staccato-Punkt)
  2. Tätigkeit des Herausgebers (z. B.: versetzt, gekürzt, verlängert, ergänzt, getilgt, f gesetzt)
  3. Legitimation für den Eingriff („gemäß“ Quelle). Jeder Eingriff sollte eine Quellenlegitimation haben. Falls dies in Einzelfällen nicht zu leisten ist, kann der Eingriff auch analog einer anderen Stimme erfolgen (Achtung: möglichst nicht nach der, die gerade in diesem Sinn durch editorischen Eingriff verändert wurde). Die Kombination von gemäß und analog (eingeleitet mit „sowie“) ist im Bedarfsfall ebenfalls möglich.
  4. Nennung der Quelle(n), nach der/nach denen der Eingriff vorgenommen wird. Die Aufzählung mehrerer Quellen erfolgt mit Komma (bei mehr als zwei Quellen) bzw. mit „und“.
  5. Bei Versetzungen von Zeichen ursprüngliche Lesart angeben, abgesetzt durch ein Semikolon („; in ED [E] bereits“ oder „; in ED [E] erst“). Jede Bemerkung endet mit einem Schlusspunkt.

Formulierungsbeispiele [ED wird als E bezeichnet]:

TaktSystemBemerkung
25 Vl. II f ergänzt gemäß A.
781 Br. solo p gesetzt gemäß A; in ED pp.
1564 Vl. II dim. versetzt gemäß A und E-St; in ED bereits auf 2. Note.
1564 Ob. 1, Vl. I dim. - - - versetzt gemäß A und E-St; in ED bereits auf 12. Note.
1549–1551 Ob. 2 Staccato-Punkte ergänzt gemäß E-St sowie analog Ob. I (= ED2).
1553 Fg. f ergänzt in Hinblick auf den Kontext.
1555 Hr. Tonhöhe geändert gemäß A; in ED des2. Siehe Korrekturverzeichnis.
1601 Vl. II # als redundant getilgt.
2026 Fl. 2 sfz gesetzt; in ED sf.

Auf großräumige Zusammenhänge ist in einer Vorbemerkung hinzuweisen, z. B.: „In den Takten 21–84 notierte Strauss in A die Staccato-Punkte uneinheitlich. Diese wurden in ED [E] ebenfalls uneinheitlich gesetzt. Hieraus ergibt sich eine Vielzahl an Eingriffen, die sich tendenziell an der Lesart von A orientieren.“
Bei mittelbaren Zusammenhängen mit einer autographen Korrektur in A ist in der Spalte Bemerkung am Ende der Bemerkung darauf hinzuweisen („Siehe Korrekturverzeichnis.“).

7. Textvergleich

Der Textvergleich umfasst eine Zusammenstellung von ediertem Worttext, dem Worttext der musikalischen und literarischen Quellen. Er erfolgt je nach Erfordernis als Liste oder unter Zuhilfenahme eines textkritischen Apparates. Dieser kann bei umfangreichen Abweichungen als eigener Abschnitt am Ende des Kritischen Berichts des Notenbandes oder bei mehr Platzbedarf im digitalen Dokumentenband eingegliedert sein. Die für die Edition unmittelbar relevanten Textbeobachtungen sollten jedoch auch oder ausschließlich in den Notenband aufgenommen werden. Bei einzelnen oder unbedeutenderen Fällen ist auch die Aufnahme in die Quellenbeschreibung, das Lesartenverzeichnis oder die Textkritischen Anmerkungen [Editorischen Eingriffe] möglich.