Institut für Musikwissenschaft
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Das italienische Madrigal

Alfred Einsteins "Versuch einer Geschichte der italienischen Profan-Musik im 16. Jahrhundert" und die Folgen

16.03.2022 – 18.03.2022

16.–18. März 2022
Orff-Zentrum München und via Zoom

Die Tagung findet unter dem Dach der Kolloquien des Netzwerks für Renaissancemusik Troja statt. Die Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch. 

Anmeldung

Die Tagung findet in einem hybriden Format statt. Aufgrund der beschränkten Kapazitäten im Orff-Zentrum gehen wir derzeit davon aus, dass externe Zuhörer:innen ausschließlich via Zoom teilnehmen können. Wenn Sie an der Tagung teilnehmen wollen, senden Sie bitte die ausgefüllte Datenschutzerklärung (unten auf dieser Seite) an madrigal@lrz.uni-muenchen.de. Wir senden Ihnen dann rechtzeitig vor der Veranstaltung die Zoom-Daten zu.

Programm

Mittwoch, 16.03.22 14:00 Begrüßungen und Einführung
Sektion: Wissenschaftsgeschichtliche und historiographische Perspektiven
14:30 Keynote: Music, Print and Culture. Einstein Revisited
Iain Fenlon (University of Cambridge)
15:30 [Pause]
16:00 Einstein’s musical sources: building a history of the Italian madrigal from the prints
Philippe Canguilhem (Centre d’Études Supérieures de la Renaissance, Tours)
16:45 Singing madrigals: On the aesthetics of singing in Einstein’s Das italienische Madrigal
Laurie Stras (University of Huddersfield)
17:30 [Pause]
17:45 Dante in El Cerrito: Alfred Einsteins literarisches Madrigal, von Berkeley aus gesehen
Henrike C. Lange (University of California, Berkeley)
18:15 Buchpräsentation: Einsteins Das italienische Madrigal in deutscher Erstausgabe
Sebastian Bolz (LMU München)
Donnerstag, 17.03.22 Sektion: Historiographische Perspektiven transdisziplinär
9:00 Das Madrigal erzählen. Narrative Strukturen der Frühneuzeitforschung
Anna Bredenbach (University Erfurt)
9:45 Das Madrigal als literarische Gattung. Der Beitrag der Romanistik nach Einstein
Florian Mehltretter (LMU München)
10:30 [Pause]
11:00 Das italienische Madrigal in kunsthistorischer Perspektive
Karolina Zgraja (Universität Bern)
11:45 Orte des Madrigals. Einsteins Kulturgeschichte des Madrigals
Inga Mai Groote (Universität Zürich) & Katelijne Schiltz (Universität Regensburg)
12:30 [Pause]
Sektion: Musikhistorische Perspektiven – Schlaglichter zum Stand der Forschung
14:30 Einstein’s Monteverdi
Antonio Chemotti (KU Leuven)
15:00 Marenzio – »ein Spätling, ein ›Virtuos‹« – from Einstein to the digital world
Daniele Filippi (Schola Cantorum Basel)
15:30 [Pause]
16:00 Orazio Vecchi
Paul Schleuse (Binghamton University)
16:30 Verdelot and Arcadelt
Kate van Orden (Harvard University)
17:00 [Pause]
17:15 Einstein’s Frottola and Its Legacy
Giovanni Zanovello (Indiana University)
18:00 Empfang
20:00 Konzert: Profeti della Quinta
Freitag, 18.03.22 Sektion: Biographische Perspektiven
9:00 Madrigal und Migration. Das italienische Madrigal als Exilgeschichte
Benjamin Ory (Stanford University) & Moritz Kelber (Universität Bern)
9:45 Einsteins Madrigalbuch im Rekurs auf seine musikwissenschaftlichen Vorläufer: Versuch einer Positionsbestimmung
Christian T. Leitmeir (University of Oxford)
10:30 [Pause]
10:45 Editionswissenschaft. Einstein als Herausgeber
Cristina Urchueguía (Universität Bern)
11:30 [Pause]
Sektion: What’s next?
11:45 Podium: Perspektiven der Madrigalforschung im digitalen Paradigma
13:15 Closing remarks

Tagungskonzept

Alfred Einsteins dreibändige Untersuchung zur weltlichen Vokalmusik des 16. Jahrhunderts erschien 1949 in englischer Übersetzung als The Italian Madrigal. Als weitgehend konkurrenzlos gebliebener Versuch, die Entwicklung und Geschichte der Gattung und ihrer literarischen und kulturhistorischen Kontexte darzustellen, gilt Einsteins Studie bis heute als Standardwerk. Eine Edition, die Sebastian Bolz auf Grundlage der bislang unerschlossenen Typoskripte Einsteins für das Jahr 2022 vorbereitet, macht den umfangreichen Text nun erstmals in seiner deutschen Ori-ginalgestalt zugänglich. Die Veröffentlichung erlaubt einen neuen Blick auf Einsteins ebenso einflussreiche wie historisch gewordene Schrift und lädt damit zu einer Auseinandersetzung mit ihrem Nachleben ein. Im Rahmen einer internationalen Tagung, die die Publikation des Primärtextes begleiten und um den 70. Todestag des Autors im März 2022 stattfinden soll, wollen wir uns aus mehreren Perspektiven mit Einsteins Text, seiner Bedeutung und seinem Einfluss auseinandersetzen. Wir freuen uns, dass die Tagung in München und damit am Ort von Einsteins akademischer Sozialisation stattfinden kann – gerade weil dem jüdischen Musikwissenschaftler im München des frühen 20. Jahrhunderts eine Laufbahn als Akademiker verwehrt blieb.

Drei Ansätze sollen die Re-Lektüre leiten: In fach- und wissenschaftsgeschichtlicher Hinsicht stellen sich Fragen nach dem Ort von Einsteins Studien in der Forschungslandschaft der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Auf welchen Stand der Forschung reagierte Einsteins Monographie? In welchem Verhältnis stehen Zuschnitt und Methode zu vergleichbaren Arbeiten innerhalb der Musikwissenschaft, aber auch im interdisziplinären Kontext? Ins Blickfeld rückt zudem die Frage, welche geschichtstheoretischen und narrativen Prämissen Einsteins groß angelegte Erzählung strukturieren. Unmittelbar damit im Zusammenhang steht die langfristige Bedeutung inhaltlicher Schwerpunktsetzungen: In welcher Weise wirkte Einsteins Arbeit thematisch, rhetorisch und methodisch stilbildend für die Erforschung der Musik des 16. Jahrhunderts? Diskutieren wollen wir schließlich die Rezeptionsgeschichte des Werkes. Dabei muss es auch um sprachlich bedingten Wissenstransfer und die Frage gehen, welche Unterschiede zwischen der publizierten englischen Fassung und dem deutschen Ausgangstext im Hinblick auf ihre jeweilige Wissenschaftssprache bestehen.

Ein genuin musikhistorischer Ansatz bildet die zweite Leitperspektive der Tagung: Nach The Italian Madrigal erschienen kaum Werke mit vergleichbarem Anspruch, weshalb dieser ambitionierte Versuch der Überblicksdarstellung einer Gattung noch immer als Referenzpunkt gelten kann. Weil mit der erstmaligen Publikation der deutschen Originalfassung ein beinahe 80 Jahre alter Text in neuer Gestalt vorgelegt wird, sind inhaltliche Einordnungen ihrer selbst historisch gewordenen Ergebnisse unverzichtbar. Insofern müssen Einsteins Einschätzungen zu aktuellen Forschungen auf dem Feld der Frühen Neuzeit in Beziehung gesetzt werden: Welche Erkenntnisse besaßen prägende Bedeutung und haben womöglich Bestand, auf welche Grenzen stieß und stößt das Werk? In mehreren kurzen case studies gilt es hier sowohl Komponisten, denen Einstein größere Aufmerksamkeit widmet, als auch kulturgeschichtliche – das heißt etwa institutionelle oder regionale – Kontexte in den Blick zu nehmen.

Zuletzt stellen sich neue Fragen mit Blick auf Einsteins wissenschaftliche und persönliche Biographie, die auch eine Biographie von Das italienische Madrigal ist: Wie und unter welchen Bedingungen entwickelte sich Einsteins Madrigalforschung vom Beginn seiner Beschäftigung mit der Musik der Frühen Neuzeit im Rahmen seiner Dissertation bis hin zur Zusammenfassung seiner jahrzehntelangen Forschung in einer monumentalen Studie? In welchem Verhältnis dazu stehen seine weiteren Forschungsinteressen, die etwa Mozart und die Musik der Romantik, aber ebenso allgemeine Fragen der Ästhetik betrafen und so eine enorme Breite aufweisen? Besonderes Gewicht besitzt dabei seine Tätigkeit als Sammler und Herausgeber von Kompositionen. An die editorischen Arbeiten zur Musik des 16. bis 18. Jahrhunderts knüpfen sich (auch für den aktuellen Forschungsdiskurs relevante) Fragen nach der Rolle der Philologie und mit ihr der musikwissenschaftlichen Grundlagenforschung in Einsteins Schaffen und darüber hinaus.

Unter Berücksichtigung aller drei Perspektiven wollen wir auch über Möglichkeiten nachdenken, ob und wie wir heute eine »Geschichte der italienischen Profan-Musik im 16. Jahrhundert« (so Einsteins Originaltitel) neu konzipieren und schreiben können.

Organisation

Prof. Dr. Katelijne Schiltz (Universität Regensburg)
Dr. Moritz Kelber (Universität Bern)
Sebastian Bolz, M.A. (LMU München)

Bei Fragen zur Veranstaltung melden Sie sich gerne bei Sebastian Bolz.

 

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