Institut für Musikwissenschaft
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August Wilhelm Ambros im musikästhetischen Diskurs um 1850

Musik und Poesie

Das Projekt wird finanziert von der Fritz-Thyssen-Stiftung.

Beginn: 01. Februar 2011

Projektleiter: Prof. Dr. Hartmut Schick

Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Dr. Markéta Stedronská

Das musikästhetische Œuvre von August Wilhelm Ambros (1816–1876) stellt einen wichtigen, bislang kaum erschlossenen Beitrag zum europäischen musikästhetischen Diskurs um 1850 dar. Das vorliegende Projektvorhaben setzt sich mit Ambros’ musikästhetischen Schriften aus den 1840er und 50er Jahren, einschließlich der 1856 veröffentlichten Abhandlung Die Gränzen der Musik und Poesie. Eine Studie zur Aesthetik der Tonkunst, auseinander. Der zugrundegelegte Textkorpus umfasst überwiegend auf Deutsch verfasste Musikessays, -feuilletons und -kritiken, die Ambros nicht nur an seinem Wirkungsort Prag, sondern von dort aus auch in vielen ausländischen Periodika veröffentlichte.

Ambros’ Musikästhetik ist weniger ein in sich geschlossenes System als vielmehr ein komplexer, auf verschiedenen stilistischen Ebenen formulierter Kommentar zu den musikästhetischen Debatten seiner Zeit. Ausgehend von einer intensiven Rezeption der deutschen romantischen Musikästhetik, vor allem E. T. A. Hoffmanns, Jean Pauls und Robert Schumanns, und der romantischen Musik Mendelssohns und Schumanns befasst sich Ambros mit den neuen Erscheinungen der Musikszene seiner Zeit – Berlioz, Liszt und Wagner – und reflektiert auch die beiden ästhetischen Strömungen der Neudeutschen Schule und des Musikformalismus. Ambros musikästhetische Schriften bieten dabei die Möglichkeit einer vielschichtigen Kontextualisierung, nicht zuletzt auch hinsichtlich des umfangreichen Werkschaffens der um Ambros versammelten Prager „Davidsbündler“, vor allem Eduard Hanslicks und Franz Balthasar Ulms. In diesem Zusammenhang wird im vorliegenden Projekt die bisher zu einseitig gesehene Stellung Ambros’ als bloßem Anhänger der Inhaltsästhetik und als Antipode Hanslicks kritisch hinterfragt. Insbesondere sollen in der Diskussion von Ambros’ musikästhetischen Schriften bis 1856 allgemeine Merkmale der musikhistorischen und  ästhetischen „Übergangsperiode“ vor der Eröffnung der Prager Wagner-Polemiken herausgearbeitet werden.