Institut für Musikwissenschaft
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Dr. Lorraine Byrne Bodley: Schubert und Goethe

Vortrag und Workshop

27.10.2016 um 19:00 Uhr – 28.10.2016 um 00:00 Uhr

Das Institut lädt herzlich zum ersten Gastvortrag dieses Semesters ein:

Dr. Lorraine Byrne Bodley von der Universität Maynooth/Irland wird bei ihrem Besuch am Institut für Musikwissenschaft ihre beiden Spezialforschungebiete, Schubert und Goethe, vorstellen.

Vortrag: "Schubert und der Weg zu seiner Identität als Komponist"

Donnerstag, 27. Oktober 2016, 19.00, B 206, LMU-Hauptgebäude

und

Seminar:"Proserpina. Eberweins Vertonung von Goethes Melodram"

Freitag, 28.10.2016, 14.15-15.45 Uhr, HS B 206

 

ABSTRACT:

"Schubert und der Weg zu seiner Identität als Komponist"

Der Komponist des 19. Jahrhunderts, Franz Schubert, gilt als eine der faszinierendsten Gestalten der klassisch romantischen Musikgeschichte. Er ist der einzige berühmte Komponist bedeutender Musik, der, geboren im Reich der Habsburger, sein ganzes Leben dort verbrachte und auch dort verstarb. Er wurde abwechselnd als der Vater des Liedes bezeichnet, als ein ‘Mädchencharakter’, als Homosexueller, beherrscht vom sexuellen Trieb, als Alkoholiker und als ein heterosexueller Liebender, der auf tragische Weise verschmäht wurde. Während Schuberts Musik ein breites Publikum gewonnen hat, sind nur Spezialisten mit seiner komplizierten Rezeptionsgeschichte vertraut. Vieles, was sein Privatleben betrifft, bleibt rätselhaft. Dieser Vortrag unternimmt den Versuch, das frühe Leben des Komponisten ausgehend von Schuberts tschechischer Herkunft über die Beziehung zu seinen Eltern bis hin zu den frühen Stadtkonviktjahren darzustellen. Schuberts Beziehung zu seinem Lehrer Salieri, der in den Schubert-Biographien in der Regel gering geschätzt ist, wird dabei neu beleuchten. Ich möchte Schuberts Ausbildung zum Komponisten wie auch seine Juvenilia in neuem Lichte betrachten, weil letztere in früheren Studien vernachlässigt wurden. Ich stütze mich auf Ergebnisse der ausgedehnten Archivforschung, Schuberts Briefwechsel, die Briefwechsel seiner Familie und Freunde und neuere interdisziplinäre Forschungsansätze. Auf dieser Basis wird ein Bild von Schuberts außerordentlichen Lehrjahren, seinem erstaunlichen Mut und beharrlichen Engagement in der Musik zum Vorschein kommen.

"Proserpina. Eberweins Vertonung von Goethes Melodram"

Seit mehr als 2500 Jahren hat der Proserpina-Mythos einen zentralen Platz, sowohl im kollektiven Unterbewusstsein als auch im kollektiven Bewusstsein der Völker im Westen, und dabei ganz unterschiedliche Deutungen erfahren. In der Literatur sind hunderte von Proserpina-Darstellungen zu finden – von der klassischen Antike Homers bis hin zu "Morrisons Amerika" der 1940er Jahre. Immer wieder geht es dabei um feministische oder kulturelle Kritik. Goethes Version der Proserpina-Geschichte und ihre Vertonung von Carl Eberwein (1786-1856) ist mehr als nur eine Adaption ihrer römischen und griechischen Vorläufer oder eine Verallgemeinerung der darin enthaltenen Grunderfahrungen. Die in Goethes Proserpina dargestellte Welt bietet ein faszinierendes Spiegelbild der Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts und enthielt zahlreiche Identifikationsmöglichkeiten für Goethes Publikum. Goethes Auseindandersetzung mit der vor allem für Frauen "zentralen mythischen Gestalt" zeugt von seiner andauernden Beschäftigung mit der Frage der weiblichen Identität und nimmt moderne Entwicklungen in diesem Bereich vorweg.


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