Institut für Musikwissenschaft
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Weitere Informationen zu Henry Purcells "Fairy Queen"

Gattung und Entstehung

Mit The Fairy Queen schreibt der britische Barockkomponist Henry Purcell (1659 – 1695) 1692 ein Stück auf Basis von William Shakespeares Ein Sommernachtstraum, das mit vier weiteren Bühnenwerken Purcells die Gattung der sogenannten Semi-Opera begründet. Purcell, der als Pionier dieser Gattung zu nennen ist, legte mit seinen Kompositionen nicht nur den Grundstein für die spätere Barockoper in England, sondern schrieb durch seine Werke auch die typischen Merkmale der britischen Semi-Opera fest.
In The Fairy Queen wird die Handlung des Stückes gattungstypisch vor allem in Sprechdialogen entwickelt. Arien, Soli und musikalische Teile mit Chören dienen hierbei als Kommentar und emotionaler Transmitter des Gesprochenen. Die Darsteller selbst traten übrigens nicht nur gleichzeitig als Sänger und Schauspieler auf, auch ihre tänzerischen Fähigkeiten waren gefordert: zu instrumentalen Zwischenspielen wurden verschiedene Tänze aufgeführt. So entstand eine abwechslungsreiche Mischung aus Bühnenmusik, Maskenspiel und Dichtung und Tanz, die in Kombination mit aufwändigen Kostümen und raffinierter Bühnentechnik für ein Gesamtwerk höfischer Abendunterhaltung sorgte.
Neben der sehr freien Kürzung der Originalkomödie von Shakespeare, die sich der unbekannte Librettist wohl nur deshalb erlauben konnte, weil das Londoner Opernpublikum mit Shakespeares Originalwerk bestens vertraut war, hebt das von Purcell verwendete Libretto vor allem die Rolle der Feenkönigin Titania hervor, deren solistische Auftritte das gesamte Stück gliedern. Durch Unterbrechungen der Haupthandlung und Ergänzungen mit neuen Handlungssträngen liefert Purcells Semi-Oper eine eigene Lesart der Shakespeareschen Vorlage.

Raphael Eckardt*

Randbemerkungen zur Musik

Durch die Jahrhunderte bis heute wurden Shakespeares Werke auf der Bühne, in der Literatur, im Film oder auch in der Musik immer wieder zu neuem Leben erweckt. Die früheste, zur Entstehungszeit äußerst erfolgreiche (und zugleich die heute am wenigsten bekannte) musikalische Adaptation eines Shakespeare-Stückes stammt von dem englischen Barockkomponisten Henry Purcell, der sich von Shakespeares A Midsummer Night's Dream inspirieren ließ. Ganz im Gegensatz zu anderen bekannten Interpretationen, wie Brittens 1960 entstandene Oper desselben Namens, hat er Teile des Werkes gestrichen, umgeordnet, sowie Neues hinzugefügt, sodass Purcells Oper eine ganz eigene Bearbeitung von Shakespeares Vorlage geworden ist, die treffend als The Fairy Queen betitelt ist.

Als typische Semi-Oper der englischen Restaurationszeit wird die Handlung ausschließlich durch gesprochene Dialoge dargeboten und durch interpolierte Maskenspiele mit Musik ergänzt, die jeden Akt umhüllen, aber nur in subtilem Zusammenhang mit der eigentlichen Shakespeareschen Handlung stehen. Purcell nutzt die verschiedenen Situationen und Gefühlszustände der Charaktere, um dementsprechend abwechslungsreiche Musik für die Maskenspiele zu komponieren. Aber auch die musikalischen Formen selbst, derer sich Purcell bedient, sind mannigfaltig: Von einem barocken Instrumentalensemble begleitete Arien, kleine Ensemblestücke, sowie große Chöre wechseln sich mit rein instrumentalen Zwischenstücken und Tänzen ab.

Julin Lee*

 

* Die Texte entstanden im Rahmen der Übung Schreibwerkstatt unter der Leitung von Dr. Stefanie Strigl am Institut für Musikwissenschaft.


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