Institut für Musikwissenschaft
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Musikalische Satiren über Kunst und Kommerz

  • Zeit: Montag, 18. Juni 2012, 19 Uhr
  • Ort: Bayerische Akademie der Schönen Künste München,
            Max-Joseph-Platz 3

Richard Strauss schrieb seinen einzigen größeren Liederzyklus, „Krämerspiegel“ op. 66, im Jahr 1918 als Reaktion auf einen Rechtsstreit mit einem Musikverlag, aber auch vor dem Hintergrund seines Kampfes für ein besseres Urheberrecht. Der große Berliner Kritiker Alfred Kerr lieferte ihm passende Spottgedichte, mit deren Vertonung sich Strauss an den Musikverlegern als einer − wie er meinte − blutsaugerisch die Komponisten ausbeutenden Zunft rächen wollte. Bei aller satirischen Schärfe sind die zwölf Lieder des Zyklus, der im Autograph noch „Die Händler und die Kunst“ heißt, ein faszinierendes Panoptikum des Strauss’schen Komponierens, musikalisch hoch virtuos, doppelbödig im Ausdruck und voller Referenzen auf das eigene Schaffen.

Die Kombination von wissenschaftlichem Vortrag und Konzert versuchte diesen Zyklus als gleichermaßen sinnlichen wie intellektuellen Kunstgenuss zu erschließen.

Zum Thema der Vortragsabende "Im Dialog mit Richard Strauss"

Im Februar 2011 gelang es der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, ein neues musikeditorisches Großprojekt auf den Weg zu bringen: die erste Kritische Ausgabe der Werke von Richard Strauss. Das auf 25 Jahre angelegte Vorhaben wird unter der Leitung von Prof. Dr. Hartmut Schick von der neu gegründeten Forschungsstelle Richard-Strauss- Gesamtausgabe an der LMU München erarbeitet, in Kooperation mit dem Richard- Strauss-Institut Garmisch-Partenkirchen. Ziel ist die erstmalige historisch-kritische Edition sämtlicher Bühnen- und Orchesterwerke, Lieder und Kammermusikwerke des Komponisten. Neben gut 50 großen Partiturbänden samt kritischem Apparat, deren Ergebnisse unmittelbar in die Musikpraxis einfließen sollen, werden auch Textbände erscheinen und die Werkentstehung, Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte durch Quellenzeugnisse veranschaulichen. Fraglos wird die hier erstmals in großem Stil betriebene Quellenforschung die Richard Strauss-Forschung weltweit befruchten und auf eine ganz neue Basis stellen.

Für die Bayerische Akademie der Wissenschaften war das Projekt Anlass, im Frühsommer 2012 gemeinsam mit der Bayerischen Akademie der Schönen Künste drei Abende zu Richard Strauss durchzuführen, die in je verschiedener Weise Wort und Musik kombinierten. Immerhin prägte der 1864 in München geborene und 1949 in Garmisch gestorbene Komponist, der zu den Begründern der musikalischen Moderne gehörte, die Musik des 20. Jahrhunderts wie wenige andere. Bekannte Phänomene wie Strauss’ faszinierende Korrespondenz mit seinem Hauptlibrettisten Hofmannsthal werden ebenso thematisiert wie die kaum bekannte Umarbeitung der „Salome“ zu einer französischen Oper, bei der Romain Rolland mitwirkte, und der satirische Liederzyklus „Krämerspiegel“, in dem sich Strauss auch komponierend als Vorkämpfer für ein besseres Urheberrecht zeigt und den Musikverlegern den Kampf ansagt.


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