Institut für Musikwissenschaft
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Blockseminar im SoSe 2018 in Venedig: L'Orfeo

Der Orpheusmythos in Literatur und Musik vom Spätmittelalter bis zum Hochbarock

08.03.2018

Prof. Dr. Florian Mehltretter, Italianistik
Prof. Dr. Dr. Lorenz Welker, Musikwissenschaft
Venice International University, San Servolo, 30. April – 4. Mai 2018

Der Mythos vom Sänger Orpheus war das ganze Mittelalter hindurch vor allem aus den Versionen des Vergil (Georgica) und Ovid (Metamorphosen) bekannt. Man fand darin die Macht der Musik oder die zivilisatorische Kraft der Poesie exemplifiziert; oder man las Orpheus als Präfiguration Christi. Der Philosoph Marsilio Ficino soll im 15. Jahrhundert die Orphischen Hymnen zur lira da braccio improvisierend vorgetragen haben, Angelo Poliziano schrieb ein zwischen der Formenwelt der sacra rappresentazione und der Semantik der Bukolik vermittelndes Orpheus-Drama, das anscheinend reichlich mit (heute verlorener) Musik ausgestattet war.

So verwundert es nicht, dass zwei der ersten Opern am Anfang des 17. Jahrhunderts den Orpheus-Mythos zum Stoff haben: Die Euridice von Ottavio Rinuccini und Jacopo Peri (Florenz 1600) und der Orfeo von Alessandro Striggio und Claudio Monteverdi (Mantua 1607). Aber auch später entstehen in Italien Orpheus-Opern, so Stefano Landis La morte d'Orfeo (Rom 1619) und Aurelio Aurelis and Antonio Sartorios Orfeo (Venedig 1672); Francesco Buti und Luigi Rossi exportierten mit ihrem Orfeo die Neuerungen der italienischen Oper 1619 auch an den französischen Hof. Das Seminar untersucht die Transkriptionen des Mythos, die intellektuellen Hintergründe seiner Adaptationen für Drama und Oper und seine Rolle in den kulturellen Prozessen im Zusammenhang mit dem Hervortreten der Gattung 'Oper' aus einer pluralen poetologischen Gemengelage um 1600.

Es wird erwartet, dass die TeilnehmerInnen einen Themenbereich bzw. Fragenkomplex vorbereiten, im Seminar zur Diskussion stellen und anschließend in einer Hausarbeit vertiefen. Am Anfang der Vorlesungszeit werden in einer Vorbereitungsphase in München das Hintergrundwissen konsolidiert und die Themen abgesprochen. In Venedig ist dann eine intensive Phase (Blockseminar) vorgesehen, die aber auch Gelegenheit zur Beschäftigung mit der Stadt gibt.

Teilnahme / Anmeldung:

Für die beiden beteiligten Fächer Musikwissenschaft und Italianistik sind je 10 Plätze vorgesehen. Es können sowohl BA- als auch MA-Studierende teilnehmen. Die Anmeldung erfolgt normal über LSF. Wir bitten jedoch um eine baldige Voranmeldung, unter anderem auch um Zimmer reservieren zu können: welker@lrz.uni-muenchen.de.

Literatur zur Einführung:

Tim Carter: Monteverdi's Musical Theatre, New Haven etc., 2002.
Nino Pirrotta / Elena Povoledo: Li due Orfei: da Poliziano a Monteverdi, Turin, 1969; engl. Music and Theatre from Poliziano to Monteverdi, Cambridge, 1982.
Ellen Rosand: Opera in Seventeenth-century Venice. The Creation of a Genre. Berkeley, 1991.
John Whenham (Hg.).: Claudio Monteverdi: ‘Orfeo’, Cambridge, 1986.